Mykoplasmose bei Vögeln: chronische Atemwegserkrankung beim Geflügel und Augenentzündung bei Finken

Mykoplasmose ist eine bakterielle Erkrankung der Atemwege bei Vögeln. Der bekannteste Erreger ist Mycoplasma gallisepticum, der bei Hühnern die chronische Atemwegserkrankung (CRD) und bei Puten eine Nebenhöhlenentzündung verursacht. Die Krankheit entwickelt sich langsam, dauert lange und kehrt leicht zurück – deshalb ist es wichtig, sie rechtzeitig zu erkennen und ihre Ausbreitung im Bestand zu verhindern.

Wie breitet sich Mykoplasmose aus?

Mykoplasmen sind winzige Bakterien ohne Zellwand, die sich auf den Schleimhäuten von Nase, Nebenhöhlen, Luftröhre, Luftsäcken und Augen ansiedeln. Sie verbreiten sich:

  • über Tröpfchen beim Niesen und Husten sowie durch engen Kontakt,
  • über gemeinsame Tränken und Futterstellen,
  • über das Ei, von der Henne auf das Küken,
  • über Menschen, Kleidung und Geräte, die von einem Bestand in einen anderen gelangen.

Viele Vögel tragen Mykoplasmen, ohne krank zu sein. Die Krankheit bricht aus, wenn sie durch Stress geschwächt werden: Kälte und Zugluft, schlechte Belüftung, Ammoniak aus verschmutzter Einstreu, Überbelegung, Umzug, Legetätigkeit oder eine Virusinfektion. Dann kommen oft weitere Bakterien hinzu, und die Krankheit verläuft schwerer.

Symptome der Mykoplasmose

Atemwege:

  • Niesen, Husten und Röcheln, besonders nachts,
  • wässriger oder dicker Nasenausfluss, verklebte Nasenlöcher,
  • erschwerte oder beschleunigte Atmung, manchmal mit geöffnetem Schnabel,
  • heisere, schwache Stimme oder völliges Verstummen.

Augen und Kopf:

  • schaumiges Sekret im Augenwinkel, Tränenfluss, Schließen des Auges,
  • Schwellung unterhalb der Augen durch Nebenhöhlenentzündung, besonders bei Puten.

Allgemeine Anzeichen: Schläfrigkeit, Aufplustern, verminderter Appetit, Wachstumsverzögerung und nachlassende Legeleistung. Bei Tauben sind Mykoplasmen ein häufiger Teil des „ansteckenden Schnupfens“ (Ornithose-Komplex), bei Wellensittichen und Nymphensittichen können sie lang anhaltendes Niesen und Nasenausfluss verursachen.

Die Krankheit schreitet meist langsam über mehrere Wochen voran, sodass Halter sie anfangs leicht übersehen. Leichtes Röcheln hört man am besten abends, wenn der Bestand zur Ruhe kommt – es lohnt sich, dann kurz hinzuhören. Kehren die Symptome nach jedem Wetterwechsel oder jeder Stresssituation wieder, ist das ein häufiges Zeichen für Mykoplasmose.

Mykoplasmose bei wilden Finken

Mycoplasma gallisepticum hat sich auch auf Wildvögel ausgebreitet. Die bekanntesten Ausbrüche wurden in Nordamerika bei Hausgimpeln und Goldzeisigen festgestellt. Ein betroffener Vogel hat stark geschwollene, gerötete und verklebte Augen, sieht schlecht, findet nur schwer Futter und hält sich oft lange an der Futterstelle auf.

Entzündete Augen bei Wildvögeln können auch andere Ursachen haben, etwa Verletzungen, Vogelpocken oder andere Infektionen. Wenn Sie an der Futterstelle einen Vogel mit geschwollenen Augen sehen, stellen Sie die Fütterung vorübergehend ein und reinigen Sie die Futterhäuser gründlich. Übergeben Sie den kranken Vogel einem Tierarzt oder einer Wildtierauffangstation, denn Wildvögel sind geschützt und dürfen nicht lange zu Hause gehalten werden.

Wann sollten Sie sofort zum Tierarzt?

  • Der Vogel atmet mit geöffnetem Schnabel oder der Schwanz wippt bei jedem Atemzug mit.
  • Lautes Röcheln oder Pfeifen ist zu hören.
  • Die Augen sind geschlossen und verklebt, sodass er das Futter nicht sieht.
  • Er frisst nicht, sitzt aufgeplustert da und nimmt ab.
  • Mehrere Vögel im Bestand niesen und husten gleichzeitig.

Diagnose und Behandlung

Der Tierarzt stellt die Diagnose anhand der Untersuchung und eines PCR-Tests aus einem Rachen-, Luftröhren- oder Augenabstrich, bei Beständen auch anhand von Blutuntersuchungen.

Die Behandlung verordnet der Tierarzt, meist mit Antibiotika wie Tylosin oder Doxycyclin, bei Bedarf zusammen mit Mitteln zur Erleichterung der Atmung. Antibiotika lindern die Krankheit, doch Mykoplasmen verschwinden oft nicht vollständig. Genesene Vögel können Keimträger bleiben und unter Stress erneut erkranken. Deshalb wird von einer eigenmächtigen Antibiotikagabe abgeraten: Die Symptome werden überdeckt, die Krankheit bleibt aber im Bestand.

Erste Hilfe und Pflege zu Hause

  • Trennen Sie den kranken Vogel von den anderen.
  • Bringen Sie ihn an einen warmen, ruhigen Ort ohne Zugluft, aber mit ausreichend frischer Luft.
  • Verklebtes Sekret an Augen und Nasenlöchern können Sie vorsichtig mit einer Mullkompresse abwischen, die in lauwarmes, abgekochtes Wasser getaucht ist.
  • Stellen Sie Futter und eine flache Wasserschale in Reichweite. Träufeln Sie kein Wasser in den Schnabel und füttern Sie nicht zwangsweise.
  • Verwenden Sie keine staubige Einstreu, keine Sprays und keine Duft-Lufterfrischer.

Wie kann man Mykoplasmose vorbeugen?

  • Kaufen Sie Geflügel und Vögel aus zuverlässigen, gesunden Beständen.
  • Halten Sie neue Vögel mindestens drei bis vier Wochen getrennt.
  • Sorgen Sie für gute Belüftung ohne Zugluft und für trockene, saubere Einstreu.
  • Mischen Sie keine Vögel unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft.
  • Ziehen Sie sich nach dem Besuch eines fremden Bestands um und waschen Sie sich die Hände.
  • Reinigen Sie Futterstellen und Tränken regelmäßig.
  • Verhindern Sie den Kontakt zwischen Hausgeflügel und Wildvögeln.

Mycoplasma gallisepticum ist für Menschen nicht gefährlich, doch gute Hygiene schützt Sie und Ihre Vögel vor anderen Krankheiten.

Fazit

Mykoplasmose ist eine langwierige Atemwegserkrankung, die sich leicht ausbreitet und nur schwer vollständig aus einem Bestand zu tilgen ist. Gute Haltungsbedingungen, Quarantäne für neue Vögel und ein rechtzeitiger Tierarztbesuch sind der beste Weg, sie unter Kontrolle zu halten.