Turmfalken-Küken aufziehen
Aufzucht eines jungen Turmfalken
Wenn Sie ein junges Turmfalken-Küken (Falco tinnunculus) gefunden haben, ist es wichtig zu wissen, wie Sie seinen Zustand richtig einschätzen und ihm helfen können. Dieser Text führt Sie Schritt für Schritt durch das Erkennen eines hilfsbedürftigen Kükens, die richtige Reaktion, die Fütterung und die Vorbereitung auf die Auswilderung.
Woran erkennt man, dass es Hilfe braucht?
Wenn Sie auf ein junges Küken stoßen, sollten Sie zuerst klären, ob es sich um einen Nestling im Daunenkleid handelt (der aus dem Nest gefallen ist und nicht selbst fliegen kann) oder um einen Ästling (ein Küken, das gerade fliegen lernt, aber noch von den Eltern gefüttert wird).
Nestlinge im Daunenkleid sind Jungvögel, die aus dem Nest gefallen sind, noch Daunen oder kurze Federn haben und nicht fliegen können. Sie sitzen oft hilflos am Boden und brauchen Hilfe.
Ästlinge sind Küken, die bereits das Fliegen üben, aber noch auf Futter von ihren Eltern angewiesen sind. Sie sind aktiver und versuchen zu fliegen, können aber ungeschickt sein.
Wenn ein Ästling nicht verletzt ist und keine sichtbaren Krankheitszeichen hat (z. B. Blutungen, gebrochene Flügel), lassen Sie ihn am besten in Ruhe. Die Eltern sind wahrscheinlich in der Nähe und kümmern sich um ihn.
Wann und wie sollte man eingreifen?
Es gibt Situationen, in denen Sie eingreifen müssen:
Das Küken ist verletzt – Wenn Sie Blutungen, einen gebrochenen Flügel oder andere Verletzungen bemerken, braucht das Küken professionelle tierärztliche Hilfe.
Das Küken ist in Gefahr* – Befindet sich der Ästling an einer stark befahrenen Stelle oder in der Nähe von Fressfeinden, bringen Sie ihn an einen sicheren Ort in der Nähe.
Der Ästling ist auf sich allein gestellt – Wenn sich die Eltern mehrere Stunden lang nicht blicken lassen, wurde er möglicherweise verlassen.
Heben Sie das Küken in solchen Fällen vorsichtig mit Handschuhen oder einem weichen Tuch auf, um zusätzlichen Stress zu vermeiden. Setzen Sie es in einen Karton mit Luftlöchern und wenden Sie sich an eine *Wildtierauffangstation* oder einen Vogelschutzverein.
Das Küken zu seinen Eltern zurückbringen
Wenn Sie einen Nestling im Daunenkleid gefunden haben, versuchen Sie zuerst, ihn zu seinen Eltern zurückzubringen. Setzen Sie das Küken an einer sicheren Stelle in der Nähe erhöht ab (z. B. auf einen Ast oder in einen Busch) und beobachten Sie aus der Ferne. Die Eltern füttern ihre Jungen oft auch dann, wenn diese am Boden sitzen. Erscheinen die Eltern innerhalb einiger Stunden nicht, ist Ihr Eingreifen nötig.
Fütterung und Wärme für ein Turmfalken-Küken
Turmfalken sind Karnivoren (Fleischfresser) und brauchen daher proteinreiche Nahrung. Die Fütterung eines jungen Kükens erfordert Sorgfalt und Wissen über seine Ernährungsbedürfnisse.
Junge Turmfalken, besonders in einem frühen Entwicklungsstadium, sind empfindlich gegenüber niedrigen Temperaturen und brauchen eine geeignete Wärmequelle, um ihre Körperwärme zu halten.
Wärme für junge Küken:
Verwenden Sie eine Wärmematte oder eine Vogel-Wärmelampe auf niedriger Stufe.
Achten Sie darauf, dass das Küken von der Wärmequelle abrücken kann, wenn es ihm zu heiß wird.
Die ideale Temperatur für junge Küken liegt bei 30–35 °C; während das Küken wächst, reduzieren Sie die Wärme schrittweise, damit es sich an natürliche Bedingungen gewöhnt.
Wärme für ältere Küken:
Sobald das Küken befiedert und flugfähig ist, ist keine Wärmequelle mehr nötig, außer bei extremer Kälte.
Wenn das Küken in einer Außenvoliere untergebracht ist, sorgen Sie für Schutz vor Wind und Regen und einen warmen Unterschlupf für die Nacht.
Wie viele Mahlzeiten pro Tag?
Junge Küken (Nestlinge im Daunenkleid):
Junge Turmfalken brauchen je nach Alter und Größe 6 Mahlzeiten am Tag.
Bis 2 Wochen alt: 6 Mahlzeiten am Tag.
2–4 Wochen alt: 5 Mahlzeiten am Tag.
Bevor sie fliegen (Ästlinge): 4 Mahlzeiten am Tag.
Ältere Küken (bereit für die Auswilderung):
Sobald das Küken selbstständig wird, reduziert sich die Zahl der Mahlzeiten auf -3 pro Tag.
Wie viel Futter pro Mahlzeit?
Turmfalken-Küken fressen täglich 15–20 % ihres Körpergewichts. Wiegt ein Küken zum Beispiel 100 Gramm, sollte es täglich 15–20 Gramm Futter fressen.
Pro Mahlzeit:
Junge Küken: 5 Gramm pro Mahlzeit.
Ältere Küken: 10 Gramm pro Mahlzeit.
Welches Futter?
Das beste Futter für Turmfalken sind kleine Mäuse oder Eintagsküken, denn sie enthalten alle notwendigen Nährstoffe, einschließlich Kalzium aus den Knochen und Ballaststoffen aus dem Fell. Das ist entscheidend für eine gesunde Entwicklung des Kükens.
Warum ist es wichtig, dass sie Beute mit Fell und Knochen fressen?
Fell und Knochen unterstützen die Verdauung und liefern wichtige Nährstoffe, vor allem Kalzium, das für die Entwicklung kräftiger Knochen und Federn entscheidend ist.
Ergänzungsfutter
Wenn keine Mäuse oder Küken erhältlich sind, können Sie in Streifen geschnittene Herzen (z. B. Hühner- oder Rinderherzen) verwenden. Ziehen Sie sie vor dem Füttern durch Wasser, damit das Küken genug Flüssigkeit bekommt. Auch Hühnerfleisch oder *Jungrindfleisch* kann vorübergehend als Alternative dienen, reicht aber für eine längerfristige Ernährung nicht aus, weil wichtige Nährstoffe fehlen.
Kalziumergänzung
Kalzium ist für die Entwicklung von Knochen und Federn unerlässlich. Wenn das Küken über die Nahrung nicht genug Kalzium bekommt (z. B. weil keine Knochen im Futter sind), muss Kalzium ergänzt werden. Dazu kann man das Futter mit Kalziumpulver bestäuben oder dem Küken gemahlene Eierschalen geben (sorgfältig vorbereitet: vorher abkochen und trocknen, um Salmonellose zu vermeiden).
Wie bereitet man das Küken auf die Auswilderung vor?
Sorgen Sie für eine geeignete Unterbringung – Das Küken braucht Platz, um das Fliegen zu üben. Die Voliere muss groß genug sein.
Füttern Sie es richtig – Verwenden Sie protein- und kalziumreiches Futter.
Je selbstständiger das Küken wird, desto mehr sollten Sie den Kontakt auf ein Minimum reduzieren. Dazu gehört auch, weniger Zeit in seiner Nähe zu verbringen.
Füttern Sie es nicht aus der Hand und berühren Sie es nur, wenn es unbedingt nötig ist.
Reduzieren Sie die Zahl der Mahlzeiten schrittweise, damit das Küken anfängt, selbst nach Futter zu suchen.
Nutzen Sie natürliche Futterquellen (z. B. Lebendfutter in die Voliere geben, damit das Küken das Jagen üben kann).
Bringen Sie das Küken, wenn möglich, in eine Außenvoliere, in der es dem Wetter und natürlichen Geräuschen ausgesetzt ist.
So gewöhnt es sich an Temperaturschwankungen, Wind und andere natürliche Einflüsse und kann Fliegen und Jagen üben
Flugtraining
Sorgen Sie für einen ausreichend großen Raum (z. B. ein großes Zimmer, eine Garage oder eine Außenvoliere), in dem das Küken ohne Verletzungsgefahr das Fliegen üben kann.
Entfernen Sie alle Gegenstände, die gefährlich sein könnten (z. B. Spiegel, Fenster, scharfe Kanten).
Ermuntern Sie das Küken behutsam zum Fliegen, indem Sie es auf eine Hand setzen und diese leicht absenken, damit es abfliegt. Nutzen Sie Futter als Anreiz – halten Sie es in einiger Entfernung, sodass das Küken zu ihm hinfliegen muss.
Regelmäßige Flugübungen kräftigen die Muskeln und verbessern die Koordination. Das Küken sollte mühelos fliegen und im Flug die Richtung wechseln können.
Der Auswilderungsprozess
Das Küken sollte freigelassen werden, wenn es selbstständig fliegen und Beute jagen kann.
Je selbstständiger das Küken wird, desto mehr sollten Sie den Kontakt auf ein Minimum reduzieren.
Dazu gehört auch, weniger Zeit in seiner Nähe zu verbringen.
Füttern Sie es nicht aus der Hand und berühren Sie es nur, wenn es unbedingt nötig ist.
Die Wahl des Freilassungsortes:
Wählen Sie einen sicheren und geeigneten Ort für die Freilassung, etwa offene Felder oder Waldränder, wo Turmfalken üblicherweise leben.
Achten Sie darauf, dass es dort reichlich natürliche Nahrung gibt (z. B. Mäuse, Insekten)
Lassen Sie das Küken morgens oder vormittags frei, damit es genug Zeit hat, sich einzugewöhnen und vor Einbruch der Nacht Nahrung zu finden.
Vermeiden Sie die Freilassung bei schlechtem Wetter (z. B. Regen, starker Wind).
Nach der Freilassung können Sie das Küken aus der Ferne beobachten, um sicherzugehen, dass es gut zurechtkommt. Nähern Sie sich ihm jedoch nicht und füttern Sie es nicht.
Fazit
Jedes Tier verdient eine Chance auf ein Leben in Freiheit – und Ihre Hilfe kann entscheidend sein!
Die Auswilderung eines jungen Turmfalken erfordert eine sorgfältige Vorbereitung mit Flugübungen, dem Auswilderungsprozess und möglichst wenig Kontakt zu Menschen. Ziel ist, dass das Küken völlig selbstständig und fähig wird, in freier Natur zu leben. Wenn Sie bei einem Schritt unsicher sind, wenden Sie sich immer an eine Fachperson oder eine Wildtierauffangstation.
Denken Sie daran:
Ihre Hilfe kann für die Genesung des Kükens entscheidend sein, aber das größte Geschenk, das Sie ihm machen können, ist die Freiheit in der Natur.

