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Igelbaby aufziehen

Aufzucht Säugetiere

Igelbaby aufziehen: Was tun, wenn Sie einen jungen Igel finden

Wer ein Igelbaby findet, fragt sich meist zuerst: „Und jetzt?“ Die Aufzucht eines Igelbabys ist anspruchsvolle Arbeit, die wochenlang dauert, und die ersten Entscheidungen sind oft entscheidend für sein Überleben. In den meisten Teilen Kroatiens lebt der Nördliche Weißbrustigel (Erinaceus roumanicus), im Westen auch der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) – das Vorgehen ist bei beiden gleich. In diesem Beitrag beschreibe ich, wie man ein verwaistes Jungtier erkennt, wie man Erste Hilfe leistet und was Igelbabys in den einzelnen Entwicklungsphasen fressen.

Ist das Igelbaby wirklich verwaist?

Der Igel ist nachtaktiv, und gesunde junge Igel laufen tagsüber nicht herum. Sehen Sie mitten am Tag ein Igelbaby im Freien, ist das fast immer ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Manchmal werden Igelbabys auch gefunden, wenn beim Mähen oder bei der Gartenarbeit versehentlich ein Nest freigelegt wird.

Hilfe ist nötig, wenn das Jungtier:

  • geschlossene Augen hat, außerhalb des Nests liegt und dünn piepst oder fiept,
  • sich kalt anfühlt, schlaff ist oder mit Fliegen und Fliegeneiern bedeckt ist,
  • verletzt ist oder neben einem toten Weibchen liegt,
  • klein ist (etwa apfelgroß, unter 300 Gramm) und tagsüber ohne Mutter umherirrt.

Haben Sie versehentlich ein unbeschädigtes Nest mit ruhig schlafenden Jungen freigelegt, decken Sie es vorsichtig wieder zu und entfernen Sie sich. Beobachten Sie es zwei bis drei Stunden lang aus der Ferne; kommt die Mutter nicht zurück und beginnen die Jungen zu fiepen und aus dem Nest zu krabbeln, brauchen sie Hilfe. Größere Jungigel, die man nur nachts sieht und die munter sind und fressen, sind meist schon selbstständig und sollten in Ruhe gelassen werden.

Ich habe ein Igelbaby gefunden – was sind die ersten Schritte?

Die wichtigste Regel lautet: erst Wärme, dann Futter. Junge Igel kühlen sehr schnell aus, und ein unterkühlter Körper kann keine Nahrung verdauen. Füttern oder tränken Sie einen kalten Igel niemals, bevor er aufgewärmt ist.

  • Setzen Sie ihn in einen Karton, der mit einem weichen Handtuch oder Flanell ausgelegt ist (keine Watte und kein Fleece, in dem sich die Beinchen verheddern können).
  • Legen Sie eine in ein Handtuch gewickelte Flasche mit warmem (nicht heißem) Wasser auf den Boden, sodass der Igel wegrücken kann, wenn es ihm zu warm wird. Wechseln Sie die Flasche regelmäßig, damit sie nicht abkühlt.
  • Decken Sie den Karton ab und stellen Sie ihn an einen ruhigen, dunklen Ort, fern von Kindern, Hunden und Katzen.
  • Tragen Sie Handschuhe und fassen Sie ihn so wenig wie möglich an.

Sobald der Igel warm ist, wenden Sie sich an einen Tierarzt oder eine Wildtierauffangstation. Junge Igel sind fast immer auch dehydriert, und den Flüssigkeitsausgleich überlässt man am besten Fachleuten. Eine Liste mit Kontakten von Tierschutzvereinen und Wildtierauffangstationen finden Sie auf unserer Website. Ich rate, den Igel so schnell wie möglich zu Fachleuten zu bringen: Die Aufzucht eines Waisen mit noch geschlossenen Augen gelingt ohne Erfahrung und Anleitung nur selten.

Was fressen Igelbabys?

Auf keinen Fall Kuhmilch! Igel vertragen keine Laktose, und Milch löst bei ihnen eine schwere Verdauungserkrankung aus, die tödlich enden kann. Dasselbe gilt für Babynahrung, Brot und süße Lebensmittel.

  • Jungtiere mit geschlossenen Augen (bis etwa zwei Wochen) bekommen ausschließlich Milchersatz. Igelexperten empfehlen meist laktosearme Aufzuchtmilch für Welpen oder Kätzchen. Welches Präparat am besten ist und wie es verdünnt wird, besprechen Sie mit dem Tierarzt oder der Auffangstation.
  • Ab etwa drei Wochen, wenn die ersten Zähnchen durchbrechen, wird nach und nach sehr fein zerdrücktes Kitten-Nassfutter mit hohem Fleischanteil unter die Milch gemischt.
  • Mit vier bis fünf Wochen fressen die meisten jungen Igel selbstständig aus einer flachen Schale, und die Milch wird schrittweise weggelassen.

Ein junger Igel, der selbst frisst, muss neben dem Futter immer eine flache Schale mit frischem Wasser haben. Bieten Sie ihm keine Milch, keine Erdnüsse und kein trockenes Brot an.

Wie füttert man ein Igelbaby?

Das Jungtier bekommt lauwarme, auf Körpertemperatur erwärmte Milch aus einer kleinen Spritze ohne Nadel mit dünnem Aufsatz. Beim Füttern muss der Igel auf dem Bauch liegen oder aufrecht sein, niemals auf dem Rücken – sonst gelangt Milch leicht in die Lunge, und eine Lungenentzündung verläuft bei so kleinen Tieren meist tödlich. Geben Sie die Milch Tropfen für Tropfen und lassen Sie ihn selbst saugen und schlucken. Kommt Milch aus dem Näschen, hören Sie sofort auf und halten Sie ihn mit dem Kopf nach unten.

Als grobe Faustregel trinkt ein Igelbaby in 24 Stunden etwa ein Viertel seines Körpergewichts, verteilt auf mehrere Mahlzeiten:

  • in der ersten Lebenswoche wird es alle zwei Stunden gefüttert, Tag und Nacht, jeweils ein bis drei Milliliter,
  • sobald es die Augen öffnet, werden die nächtlichen Fütterungen seltener und die Portionen größer,
  • mit drei bis vier Wochen reicht es, alle vier Stunden zu füttern.

Aus Erfahrung weiß ich, dass eine grammgenaue Waage das wichtigste Hilfsmittel ist. Wiegen Sie den Igel jeden Morgen vor der ersten Mahlzeit: Ein gesundes Jungtier nimmt jeden Tag ein paar Gramm zu. Verliert es an Gewicht oder stagniert es, holen Sie sofort Rat ein.

Hygiene und Anregung der Verdauung

Jungtiere mit geschlossenen Augen können nicht selbstständig Harn und Kot absetzen – das übernimmt die Mutter durch Lecken. Massieren Sie deshalb nach jeder Mahlzeit sanft das Bäuchlein und den Bereich um Genitalien und After mit einem feuchten, lauwarmen Stück Watte oder einem weichen Tuch, bis es sich gelöst hat. Das wird so lange fortgesetzt, bis der Igel selbst frisst.

Wischen Sie ihm nach dem Füttern Milchreste vom Näschen und vom Körper. Wechseln Sie die Unterlage täglich und halten Sie den Karton trocken und sauber. Gesunder Kot eines jungen Igels ist weich und grünlich bis braun; Durchfall, Schleim oder Blut sind ein Grund für den Tierarztbesuch.

Wie wird ein junger Igel selbstständig?

Sobald er selbst frisst und regelmäßig zunimmt, wird der Igel schrittweise vom Menschen entwöhnt. Fassen Sie ihn nur so viel wie nötig an, streicheln Sie ihn nicht und sprechen Sie ihn nicht in Babysprache an: Ein wilder Igel muss seine natürliche Scheu behalten. Erreicht er etwa 250 Gramm, zieht er in einen größeren Bereich um und dann in ein Außengehege von einigen Quadratmetern, wo er sich an Außentemperatur, Geräusche und Gartengerüche gewöhnt. Dort kann er auch natürliche Nahrung wie Insekten und Regenwürmer suchen.

Geschwister, die zusammen aufgewachsen sind, werden getrennt, wenn sie größer werden, denn erwachsene Igel sind Einzelgänger.

Wann kann man einen jungen Igel auswildern?

Ein Igel ist bereit für die Rückkehr in die Natur, wenn er völlig gesund ist, selbst frisst, normalen Kot hat und genug wiegt. Die Empfehlungen gehen auseinander, ich halte mich an die vorsichtigeren: Im Sommer wildere ich ihn aus, wenn er mindestens 500 bis 600 Gramm wiegt. Im Spätherbst muss ein junger Igel genug Reserven haben, um den Winterschlaf zu überstehen; ist er zu klein, überwintert er in der Auffangstation und wird im Frühjahr ausgewildert.

  • Lassen Sie ihn am frühen Abend bei trockenem, mildem Wetter frei, denn der Igel ist nachtaktiv.
  • Am besten eignet sich ein Ort in der Nähe des Fundorts oder ein Garten, der mit anderen Gärten, Gebüsch und Hecken verbunden ist und weit weg von stark befahrenen Straßen liegt.
  • Stellen Sie ein Igelhaus auf und legen Sie einige Wochen lang Futter und Wasser aus, bis er ganz selbstständig ist.

Krankheiten und Gesetz: Worauf sollte man achten?

Igel können Hautpilze (Dermatophytosen) und Salmonellen übertragen und haben fast immer Flöhe und Zecken. Igelflöhe überleben auf Menschen nicht lange, trotzdem sollten Sie Handschuhe tragen und sich nach jedem Kontakt gründlich die Hände waschen. Kinder sollten den Igel nicht anfassen.

Wildtiere, also auch der Igel, sind in Kroatien gesetzlich geschützt. Die längerfristige Haltung und Aufzucht von Wildtieren darf nur in einer Wildtierauffangstation oder mit entsprechender Genehmigung erfolgen – nehmen Sie deshalb sofort Kontakt mit einem Tierarzt oder einem Tierschutzverein auf. Das Ziel ist immer dasselbe: dass der Igel in die Natur zurückkehrt.

Fazit

Die Aufzucht eines Igelbabys beginnt mit Wärme, Geduld und einem Anruf bei Fachleuten. Füttern Sie es nicht, solange es kalt ist, geben Sie ihm niemals Kuhmilch und füttern Sie es nur in Bauchlage. Mit der richtigen Pflege und einem guten Garten für die Rückkehr hat ein kleiner Igel beste Chancen, eines Tages wieder selbst in der Dämmerung auf Insektenjagd zu gehen.

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