Augeninfektionen bei Vögeln: Verletzungen, Hornhautentzündung und Schwellungen am Auge

Vögel verlassen sich stark auf ihr Sehvermögen, daher bedeutet jede Veränderung am Auge für sie Stress und Gefahr. Neben der Bindehautentzündung, über die wir in einem eigenen Artikel schreiben, können auch ernstere Erkrankungen das Auge betreffen: Hornhautentzündung, Verletzungen, Schwellungen durch eine Nebenhöhlenentzündung und Veränderungen durch Vogelpocken. Manche davon können das Sehvermögen schnell gefährden, deshalb ist es wichtig, sie rechtzeitig zu erkennen.

Welche Erkrankungen zählen zu den Augeninfektionen?

  • Keratitis (Hornhautentzündung) – die Hornhaut ist der durchsichtige vordere Teil des Auges. Die Entzündung entsteht meist nach einem Kratzer oder einem Fremdkörper, über den Bakterien oder Pilze eindringen. Die Hornhaut wird trüb, und es kann sich ein Geschwür bilden.
  • Augenverletzungen – Anprall an Glas, Angriff einer Katze oder eines anderen Vogels, Hacken im Käfig, scharfe Drahtkanten. Zu einer Verletzung kommt leicht eine Infektion hinzu.
  • Schwellung am Auge durch Sinusitis – Vögel haben direkt unter und vor dem Auge eine große Nebenhöhle. Entzündet sie sich (Bakterien, Mykoplasmen, Chlamydien, Pilze, Vitamin-A-Mangel), sammelt sich Sekret an und die Haut um das Auge schwillt an, manchmal als harter Knoten. Das Auge selbst kann gesund sein.
  • Vogelpocken (Avipox) – eine Viruserkrankung, die durch Stechmücken und direkten Kontakt übertragen wird. An den Lidern, um den Schnabel und an den Füßen bilden sich warzenartige Krusten. Sie sind häufig bei Tauben, Kanarienvögeln, Spatzen und Meisen.
  • Infektionen im Augeninneren – seltener, meist im Rahmen einer Allgemeinerkrankung.

Symptome

Am Auge selbst:

  • eine trübe, gräuliche oder weißliche Hornhaut, ein Fleck oder eine Delle am Auge
  • starkes Tränen, Ausfluss, das Auge ist ständig geschlossen
  • Blut im Auge oder eine veränderte Farbe der Iris
  • der Vogel sieht schlechter: Er verfehlt die Stange oder das Futter oder stößt gegen Gegenstände

Rund um das Auge:

  • Schwellung unter oder über dem Auge, manchmal mit Verlagerung des Augapfels
  • Krusten, Wunden und warzenartige Wucherungen an den Lidern (Pocken)
  • verklebte, zerzauste oder fehlende Federn um das Auge
  • Kratzen und Reiben des Kopfes an den Sitzstangen

Allgemeine Anzeichen: Apathie, Desinteresse an der Umgebung, weniger Appetit. Bei einer Sinusitis oft auch Niesen und Ausfluss aus den Nasenlöchern.

Wann Sie sofort zum Tierarzt sollten

  • eine sichtbare Augenverletzung, Blut oder ein Fremdkörper im Auge
  • eine Hornhaut, die plötzlich trüb oder weiß wird
  • ein Auge, das vorgewölbt, eingesunken oder verformt aussieht
  • eine schnell wachsende Schwellung am Auge
  • Krusten, die das Auge bedecken, sodass der Vogel nicht sehen und nicht fressen kann
  • der Vogel nicht sieht, anstößt oder sein Futter nicht findet
  • der Vogel zusätzlich zu den Augenveränderungen schwer atmet, aufgeplustert ist oder nicht frisst

Verletzungen und Hornhautgeschwüre können sich innerhalb von ein bis zwei Tagen so verschlimmern, dass der Vogel das Auge verliert.

Wie der Tierarzt die Diagnose stellt

Der Tierarzt untersucht das Auge mit einer Lupe und einem speziellen Licht und prüft mit Fluoresceinfarbstoff, ob die Hornhaut verletzt ist. Bei Bedarf nimmt er einen Abstrich oder eine Sekretprobe aus der Nebenhöhle, und bei Krusten kann er eine Probe zur Untersuchung einschicken, um Pocken zu bestätigen. Bei einer Schwellung am Auge ist manchmal auch ein Röntgenbild des Kopfes nötig.

Behandlung

  • Keratitis und Verletzungen: Der Tierarzt verschreibt Augentropfen oder -salbe mit einem Antibiotikum oder Antimykotikum und entfernt Fremdkörper selbst.
  • Sinusitis: Der Tierarzt kann die Nebenhöhle spülen oder öffnen und das eingedickte Sekret entfernen und verschreibt Medikamente je nach Ursache. Die Behandlung dauert oft Wochen.
  • Pocken: Gegen das Virus gibt es kein spezielles Medikament. Der Tierarzt behandelt bakterielle Folgeinfektionen der Krusten und berät zur unterstützenden Pflege. Viele Vögel erholen sich innerhalb weniger Wochen.

Geben Sie selbst keine Tropfen ins Auge, vor allem keine kortisonhaltigen Präparate, da diese bei einer verletzten Hornhaut bleibende Schäden verursachen können. Entfernen Sie Krusten nicht selbst.

Erste Hilfe und Pflege zu Hause

  • Setzen Sie den Vogel in eine ruhige, warme, abgedunkelte Box oder einen Käfig ohne Zugluft.
  • Entfernen Sie hohe Sitzstangen und Schaukeln: Ein Vogel, der schlecht sieht, stürzt leicht. Stellen Sie Futter und Wasser auf den Boden, immer an dieselbe Stelle.
  • Trennen Sie ihn von anderen Vögeln, besonders wenn Sie Pocken vermuten.
  • Drücken Sie nicht auf das Auge und versuchen Sie nicht, einen Fremdkörper zu entfernen.
  • Waschen Sie sich nach dem Umgang mit dem Vogel die Hände. Wenn der Tierarzt Chlamydien vermutet, reinigen Sie den Käfig mit Handschuhen, da diese Krankheit auf Menschen übertragen werden kann.

Übergeben Sie einen Wildvogel mit Augenverletzung oder Pocken einer Auffangstation oder einem Tierarzt. Wildvögel sind geschützt und dürfen nicht über längere Zeit zu Hause gehalten werden.

Vorbeugung

  • Ein Käfig ohne scharfe Kanten und abstehenden Draht, genug Platz, damit die Vögel sich nicht gegenseitig angreifen.
  • Abwechslungsreiches Futter, reich an Vitamin A.
  • Mückenschutznetze an Außenvolieren (Pocken).
  • Quarantäne für neue Vögel.
  • Aufkleber oder Vorhänge an Glasflächen, um Anprall zu verhindern.

Fazit

Augeninfektionen bei Vögeln können das Sehvermögen schnell gefährden, daher gehört jede trübe Hornhaut, Verletzung oder Schwellung am Auge untersucht. Mit schneller tierärztlicher Hilfe und ruhiger Pflege zu Hause erholen sich die meisten Vögel gut.